
Wie kann intelligentes Design von Bewegungsstr枚men die Modernisierung deutscher Stadien unterst眉tzen?
Wie sich Menschen in und um Stadien herum bewegen, gilt immer mehr als Ma脽stab f眉r die Leistungsf盲higkeit des Geb盲udes und seiner umliegenden Infrastruktur, nicht nur als Frage der Compliance. Fragt man Fans, woran sie sich von einem Spieltag besonders erinnern, hat die Antwort oft wenig mit den erzielten Toren zu tun.
Entscheidend ist das Erlebnis: Wie hat sich der Tag angef眉hlt? Wie einfach war die Anreise? Wie war die Vorfreude und wie lang die Warteschlangen beim Einlass, bei den Toiletten oder Imbissst盲nden? Und wie verlief die Abreise 鈥 reibungslos und m眉helos oder frustrierend und chaotisch?
Hinter diesem Erlebnis verbirgt sich jedoch eine komplexe Choreografie von Bewegungsabl盲ufen. Im modernen Stadiondesign ist die Wegf眉hrung zu einem entscheidenden Faktor geworden, der sich auf drei zentrale Bereiche auswirkt: Sicherheit, Reputation und wirtschaftliche Leistungsf盲higkeit. Es reicht nicht mehr nur f眉r die maximale Zuschauerkapazit盲t zu planen. Stadien m眉ssen in die gesamte Anreiseplanung integriert werden 鈥 von regionalen Verkehrsnetzen 眉ber Zug盲nge, Drehkreuze und Umlaufbereiche bis hin zu den Sitzpl盲tzen und wieder zur眉ck.
Die Stadien in Deutschland stehen an einem entscheidenden Wendepunkt. Ein Gro脽teil der heutigen Stadionlandschaft wurde das letzte Mal im Vorfeld der FIFA-Fu脽ball-Weltmeisterschaft 2006 umfassend modernisiert. Zwei Jahrzehnte sp盲ter sind viele dieser Spielst盲tten an einem Punkt, an dem Erneuerung, Sanierung oder strategische Neupositionierung notwendig werden. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen an Stadien grundlegend ver盲ndert. Sie werden nicht mehr als reine Veranstaltungsorte f眉r Spieltage mit Spitzenbelastungen wahrgenommen. Sie werden als fester Teil der st盲dtischen Infrastruktur und als gesellschaftliche Ankerpunkte betrachtet, die ganzj盲hrig genutzt werden und einen messbaren sozialen sowie wirtschaftlichen Mehrwert schaffen.

Diese Entwicklungen stellen die Branche vor eine zentrale Herausforderung: Wie k枚nnen deutsche Stadien so modernisiert werden, dass sie den Anforderungen von heute gerecht werden, ohne gleichzeitig in Infrastruktur zu investieren, die den Gro脽teil des Jahres nur begrenzt genutzt wird? Ein wesentlicher Teil der Antwort liegt in der Gestaltung von Bewegungs- und Mobilit盲tskonzepten.
Intelligente, st盲dtische Mobilit盲tsplanung entwickelt sich zunehmend zu einem Schl眉sselfaktor f眉r den Erfolg von Stadionmodernisierungen. Sie umfasst Aspekte wie regionale Verkehrsanbindungen, die Bew盲ltigung der sogenannten 鈥瀕etzten Meile鈥, Besucherstrommanagement und Crowd Dynamics aber auch das Erlebnis innerhalb des Stadions, damit ein m枚glichst vielf盲ltiges Publikum angesprochen wird. Genau an dieser Schnittstelle beeinflussen Planungsentscheidungen unmittelbar die Sicherheit, das Fan-Erlebnis, die betriebliche Resilienz und den langfristigen Wert einer Spielst盲tte.
Von Kapazit盲t zu Leistungsf盲higkeit
Traditionell lag der Schwerpunkt im Stadiondesign vor allem auf der Zuschauerkapazit盲t. Der Erfolg einer Spielst盲tte wurde h盲ufig daran gemessen, wie viele Menschen sich gleichzeitig dort aufhalten konnten und wie schnell und vor allem wie sicher sie den Ort wieder verlassen konnten. Diese Grundvoraussetzungen sind nach wie vor essenziell. Allein reichen sie jedoch nicht mehr aus.
Wie Jing Lu, Associate im Bereich Transport und Mobilit盲t bei 国产探花, erl盲utert: 鈥濿ir m眉ssen die Verhaltensweisen und Erfahrungen der Menschen wirklich verstehen. Sie sind keine Zahlen.鈥
Dieser Perspektivwechsel macht Besucherstr枚me und Mobilit盲t zu einem Leistungsindikator statt zu einer reinen Frage der Compliance. Er erfordert ein tieferes Verst盲ndnis daf眉r, wie Menschen anreisen, sich versammeln, sich im und um das Stadion bewegen und wieder abreisen 鈥 und wie diese Bewegungsmuster mit dem st盲dtischen Umfeld des Stadions interagieren.
In Deutschland ist dies von besonderer Bedeutung. Einige Stadien liegen au脽erhalb der Stadtzentren und werden 眉ber speziell darauf ausgerichtete Verkehrsnetze erschlossen, w盲hrend andere in dicht bebauten, hervorragend angebundenen urbanen R盲umen liegen, deren Verkehrssysteme bereits heute nahezu ihre Kapazit盲tsgrenzen erreichen. Modernisierungsprogramme m眉ssen deshalb zwei konkurrierende Anforderungen miteinander in Einklang bringen: Einerseits gilt es, die hohen und kurzfristigen Belastungsspitzen an Spieltagen zu bew盲ltigen, andererseits muss die Infrastruktur auch im Alltag effizient, wirtschaftlich und relevant bleiben. Gleichzeitig m眉ssen 枚ffentliche Verkehrsverbindungen f眉r ein breites Spektrum von Nutzer*innen zug盲nglich und inklusiv gestaltet sein.
Das Stadion als Teil der Stadt gestalten
Stadien k枚nnen nicht isoliert betrachtet werden. Ihr Erfolg h盲ngt untrennbar davon ab, wie gut sie an die umliegenden Verkehrssysteme und den 枚ffentlichen Raum angebunden sind. An Veranstaltungstagen reisen Zehntausende Menschen innerhalb kurzer Zeit an, h盲ufig mit Bahn, Stra脽enbahn oder zu Fu脽. Die Herausforderung besteht nicht allein darin, diese Menschen zu transportieren, sondern dies auf eine Weise zu tun, die intuitiv verst盲ndlich, sicher und nahtlos in das st盲dtische Umfeld integriert ist.
鈥濪em Abschnitt zwischen Hauptverkehrsknotenpunkten und Stadion 鈥 der sogenannten 鈥渓etzten Meile鈥 鈥 wird heute gro脽e Aufmerksamkeit geschenkt鈥, sagt Paul Townsend, Director of Analytics & Crowd Dynamics bei 国产探花. 鈥濫s wird oft dar眉ber diskutiert, wer f眉r diesen Bereich verantwortlich ist. Tats盲chlich handelt es sich immer um ein Zusammenspiel verschiedener Akteur*innen. Klar ist jedoch, dass dieser Bereich sowohl f眉r die Sicherheit als auch f眉r das Besuchserlebnis von zentraler Bedeutung ist.鈥
Dem Abschnitt zwischen Hauptverkehrsknotenpunkten und Stadion 鈥 der sogenannten 鈥渓etzten Meile鈥 鈥 wird heute gro脽e Aufmerksamkeit geschenkt.
Paul Townsend, Director of Analytics & Crowd Dynamics at 国产探花
In Deutschland ist dies einer der komplexesten Aspekte bei der Modernisierung von Stadien, da Zust盲ndigkeiten f眉r Verkehr, Sicherheit und 枚ffentlichen Raum h盲ufig auf verschiedene Ebenen, Beh枚rden und Organisationen verteilt sind. Fehlt eine fr眉hzeitige Abstimmung, besteht die Gefahr, dass die Bereiche au脽erhalb des eigentlichen Stadiongel盲ndes zu Engp盲ssen und Konfliktpunkten werden, die das gesamte Fan-Erlebnis beeintr盲chtigen.
Im aktuellen 枚ffentlichen Diskurs in Deutschland werden effiziente Zuschauerleitsysteme im und um das Stadion zunehmend neu bewertet. Sie werden als praktische Beispiele f眉r grunds盲tzliche Fragen klimafreundlicher Mobilit盲t, fragmentierter Zust盲ndigkeiten und der Belastungsgrenzen des 枚ffentlichen Personenverkehrs betrachtet und nicht mehr nur als w眉nschenswerter Bestandteil des Fan-Erlebnisses.
Ein wiederkehrendes Thema ist, dass komplexe Verwaltungsstrukturen, wie sie in Deutschland bestehen, eine integrierte Mobilit盲tsplanung f眉r Stadien erschweren insbesondere auf der 鈥瀕etzten Meile鈥 zwischen dem 枚ffentlichen Verkehrsnetz und dem Stadionvorplatz. Deutsche Verkehrsverb眉nde werden h盲ufig als langj盲hrige Erfolgsmodelle f眉r koordinierte Zusammenarbeit hervorgehoben[1]. Ihre Wirksamkeit h盲ngt von klar definierten Verantwortungsbereichen und der fr眉hzeitigen Einbindung von Kommunen, Verkehrsunternehmen und Sicherheitsbeh枚rden ab. Werden Zust盲ndigkeiten f眉r 枚ffentlichen Raum, Sicherheit und Verkehr jedoch nur bilateral abgestimmt, hat keine einzelne Instanz die gesamte Verantwortung f眉r die An- und Abreise der Fans und die Bereiche au脽erhalb des Stadiongel盲ndes k枚nnen zu institutionellen 鈥濺eibungszonen鈥 werden.
Wird Mobilit盲t aber als gemeinsames Gesamtsystem und nicht als eine Reihe voneinander getrennter Zust盲ndigkeiten verstanden, k枚nnen Stadionprojekte Impulse f眉r umfassendere Verbesserungen des 枚ffentlichen Raums, des Fu脽- und Radverkehrs sowie der Integration verschiedener Verkehrstr盲ger setzen. Davon profitieren St盲dte nicht nur an Spieltagen, sondern an jedem einzelnen Tag des Jahres.
Erkenntnisse 眉ber Zuschauerverhalten bei Modernisierung deutscher Stadien nutzen
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wegweisende Stadionprojekte neu definiert, was m枚glich ist 鈥 von der Nationalarena in Schweden (seit 2024 als Strawberry Arena bekannt) 眉ber das Lord鈥檚 Cricket Ground bis hin zum neuen Hill Dickinson Stadion des FC Everton und dem f眉r die FIFA-Fu脽ball-Weltmeisterschaft 2022 errichteten Education City Stadion in Katar. Die Expert*innen von 国产探花 haben die Entwicklung dieser Projekte ma脽geblich begleitet und erm枚glicht.
Stadien b眉ndeln Menschen in intensiven Momenten. Vor den Spielen, in den Pausen und beim Verlassen des Stadions bewegen sich gro脽e Menschenmengen in stark synchronisierten Str枚men. Solche Situationen lassen sich nicht allein mit Kapazit盲tsrichtwerten berechnen. Ein tiefgehendes Verst盲ndnis menschlichen Verhaltens ist erforderlich.
鈥濲eder m枚chte ein Stadion innerhalb kurzer Zeit verlassen鈥, erl盲utert Jinu Varughese, Associate Director im Bereich Crowd Dynamics bei 国产探花. 鈥濪eshalb ist die Beschaffenheit des 枚ffentlichen Raums als auch der Wegf眉hrung im Inneren von entscheidender Bedeutung.鈥
Die Bewegung von Menschenmengen wird ebenso stark vom menschlichen Verhalten gepr盲gt wie von den r盲umlichen Gegebenheiten. Menschen suchen intuitiv nach dem k眉rzesten Weg oder orientieren sich an vertrauten Routen und lassen sich dabei h盲ufig von den Personen um sie herum beeinflussen. Oft bleiben sie stehen, um sich zu orientieren, Informationen zur Wegf眉hrung zu lesen oder auf andere Mitglieder ihrer Gruppe zu warten. Wird diese Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen bereits im Planungsprozess ber眉cksichtigt, lassen sich Risiken reduzieren und sicherere sowie intuitiver nutzbare R盲ume schaffen.

Beim Hill Dickison Stadion des FC Everton kommen unkonventionelle Planungsl枚sungen zum Einsatz. Durch gezielte Ma脽nahmen zur Steuerung der Besucherstr枚me innerhalb des Stadions konnten die Bewegungsabl盲ufe au脽erhalb des Stadions positiv beeinflusst werden 鈥 ein entscheidender Vorteil an dem r盲umlich stark eingeschr盲nkten Standort.
F眉r die bestehenden Stadien in Deutschland, von denen viele nicht unter Einbeziehung einer derart detaillierten Verhaltensanalyse geplant wurden, bietet die Modernisierung eine wertvolle Gelegenheit: Besucherwege k枚nnen neu strukturiert, Zugangs- und Orientierungspunkte verbessert sowie Bewegungsabl盲ufe im und um das Stadion grundlegend neu gedacht werden. Ein Teil dieser Verbesserungen l盲sst sich durch betriebliche Ma脽nahmen erreichen, andere erfordern gezielte bauliche Anpassungen und Umgestaltungen.
Daten f眉r Planung und Betrieb nutzen
Fortschritte in der digitalen Modellierung haben das Verst盲ndnis von Zuschauerstr枚men grundlegend ver盲ndert. Heute lassen sich Zehntausende individuelle Bewegungsverl盲ufe simulieren und unterschiedliche Szenarien analysieren 鈥 von regul盲ren Spieltagen bis hin zu Notfall- und Evakuierungssituationen. Dadurch k枚nnen Planungsteams Risiken fr眉hzeitig identifizieren, r盲umliche Konzepte optimieren und fundierte, datenbasierte Entscheidungen bereits in den fr眉hen Projektphasen treffen.
Doch das Potenzial endet nicht mit der Planung. Zunehmend entwickeln sich Stadien zu dynamischen, reaktionsf盲higen Systemen. So k枚nnen die Verantwortlichen die Verteilung der Besucher*innen laufend 眉berpr眉fen und betriebliche Abl盲ufe situativ anpassen.
鈥濪iese Art von Echtzeitdaten wird in Leitstellen genutzt, um Besucherstr枚me rund um das Stadion dynamisch zu steuern. Dar眉ber hinaus k枚nnen die Daten auch nachtr盲glich ausgewertet werden, um Menschenmengen besser zu verteilen, Wartezeiten zu reduzieren und zus盲tzliche Einnahmepotenziale zu erschlie脽en鈥, erl盲utert Paul Townsend.
F眉r Deutschland bietet sich eine klare Chance, Ticket-, Mobilit盲ts- und Besuchermanagementsysteme st盲rker miteinander zu verkn眉pfen. Die UEFA EURO 2024 liefert hierf眉r ein 眉berzeugendes Beispiel: Durch die Integration von Eintritts- und Fahrkarten wurde die Nutzung 枚ffentlicher Verkehrsangebote erheblich gef枚rdert. W盲hrend des Events reisten 81 % der Zuschauer*innen mit 枚ffentlichen Verkehrsmitteln an.[2] Das zeigt, dass Mobilit盲tsstrategien nicht nur auf bestehende Verhaltensmuster reagieren, sondern diese aktiv beeinflussen k枚nnen. Auf diese Weise lassen sich betriebliche Effizienz, Fan-Erlebnis und Nachhaltigkeitsziele wirkungsvoll miteinander verbinden.
Inklusive Mobilit盲t von Anfang an mitdenken
Wenn Mobilit盲t und Besucherstr枚me das Stadionerlebnis ma脽geblich pr盲gen, m眉ssen sie f眉r alle funktionieren. Historisch wurde Barrierefreiheit h盲ufig als reine Frage der Compliance betrachtet, bei der es vor allem darum ging, Mindeststandards einzuhalten. Heute sollte der Anspruch deutlich h枚her sein: Stadien von Beginn an als intuitive, inklusive und gerechte Umgebungen zu gestalten.
Wie Ben Channon, Head of Inclusive Environments bei 国产探花, erkl盲rt: 鈥濫s ist nat眉rlich wichtig, die gesetzlichen Anforderungen zu erf眉llen und Menschen sicher ins Stadion zu bringen. Aber wir k枚nnen weit 眉ber die reine Erf眉llung von Vorschriften hinausgehen. F眉r viele Stadien kann inklusives Design zu einem zentralen Bestandteil des Fan-Erlebnisses werden und sogar zu einem Alleinstellungsmerkmal, das ein Standort von anderen abhebt. Es geht darum, 眉ber Richtlinien hinauszudenken und ein positives gemeinsames Erlebnis f眉r alle zu schaffen.鈥
Inklusives Design ber眉cksichtigt nicht nur den physischen Zugang, sondern auch die kognitive und sensorische Wahrnehmung. Wegf眉hrung, Akustik, Beleuchtung und r盲umliche Orientierung beeinflussen ma脽geblich, wie komfortabel sich unterschiedliche Nutzer*innen in einem Raum zurechtfinden und bewegen k枚nnen.
Wir m眉ssen die Verhaltensweisen und Erfahrungen der Menschen wirklich verstehen. Sie sind nicht einfach nur Zahlen.
Jing Lu, Associate im Bereich Transport und Mobilit盲t bei 国产探花
Tom Kirby, Senior Consultant im Team Inclusive Environments, betont die Komplexit盲t dieser Aufgabe: 鈥濱m Stadionkontext arbeitet man in einem wesentlich gr枚脽eren Ma脽stab als bei vielen anderen Bauprojekten. Dadurch steigt auch die Zahl der Menschen mit unterschiedlichen Beeintr盲chtigungen in ihrer Mobilit盲t oder ihrer Verarbeitung von sensorischen Informationen.鈥
Schon vergleichsweise einfache Ma脽nahmen k枚nnen eine tiefgreifende Wirkung haben. Sensorikr盲ume, wie sie beispielsweise in den Stadien von Everton und Tottenham eingerichtet wurden, haben einigen Familien mit neurodivergenten Kindern erstmals erm枚glicht, gemeinsam ein Fu脽ballspiel zu besuchen. Diese speziell gestalteten Bereiche schaffen Abstand zur Menschenmenge und bieten Unterst眉tzung f眉r Personen mit erh枚hter sensorischer Sensibilit盲t. Gleichzeitig stehen R眉ckzugsr盲ume zur Verf眉gung, falls die Eindr眉cke des Stadions 眉berw盲ltigend werden.
鈥濪adurch entsteht eine ruhigere Umgebung鈥, erkl盲rt Tom Kirby. 鈥濪iese Ma脽nahmen haben viele positive Beispiele hervorgebracht. Es gab Eltern, die zu Tr盲nen ger眉hrt waren, weil sie nie geglaubt h盲tten, ihr Kind einmal zu einem Spiel mitnehmen zu k枚nnen 鈥 und genau dieser Raum hat das erm枚glicht.鈥
Entscheidend ist dabei, dass inklusives Design allen zugutekommt. Eine klare Wegf眉hrung, intuitiv verst盲ndliche Raumkonzepte und gut gestaltete Sitzbereiche verbessern das Erlebnis f眉r alle Besucher*innen 鈥 nicht nur f眉r Menschen mit spezifischen Anforderungen.
F眉r Deutschland, wo die Fankultur tief verwurzelt ist und gemeinschaftliche Vereins- und Eigentumsstrukturen weit verbreitet sind, ist inklusives Design weit mehr als eine technische Anforderung. Es ist ein zentraler Baustein, um sicherzustellen, dass Stadien offen, einladend und f眉r alle Bev枚lkerungsgruppen relevant bleiben. Gleichzeitig ist Inklusion ein wichtiger Grundsatz der Nachhaltigkeitsrichtlinien der Deutschen Fu脽ball Liga (DFL). Mit dem wachsenden Interesse am Frauenfu脽ball und der steigenden Zahl von Konzerten ver盲ndert sich zudem die Zusammensetzung des Publikums. Ein inklusiver Planungsansatz tr盲gt dazu bei, den Bed眉rfnissen dieser vielf盲ltigeren Gruppen gerecht zu werden.
Deutsche Stadien als Impulsgeber f眉r Stadterneuerung und ganzj盲hrige Nutzung
Bei der Modernisierung von Stadien in Deutschland geht es nicht nur um die Leistungsf盲higkeit an Spieltagen und das Fan-Erlebnis. Ebenso wichtig ist, dass sie langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Moderne Stadien werden zunehmend als Ganzjahresausflugsziel konzipiert, die 眉ber den Sport hinaus eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen anbieten. Das Tottenham Hotspur Stadion liefert hierf眉r ein eindrucksvolles Beispiel: Es schafft einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen f眉r die Region und zieht das ganze Jahr 眉ber ein vielf盲ltiges Publikum an.
Seit seiner Er枚ffnung im Jahr 2019 hat das Stadion j盲hrlich mehr als 1,6 Millionen Besucher*innen und leistet einen Bruttowertsch枚pfungsbeitrag von 鈧398 Mio. f眉r die lokale Wirtschaft.[3]
Mobilit盲ts- und Besucherstromkonzepte sind eine grundlegende Voraussetzung f眉r diese Flexibilit盲t. Unterschiedliche Veranstaltungen bringen unterschiedliche Besucherprofile, Anreiseverhalten und Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur mit sich. Eine Infrastruktur zu schaffen, die dieser Vielfalt gerecht wird, ist entscheidend f眉r die wirtschaftliche und operative Tragf盲higkeit multifunktionaler Veranstaltungsorte.
Wie Jing Lu betont, sollten Stadien 鈥瀉ls Verm枚genswerte betrachtet werden, die der Stadt einen zus盲tzlichen Mehrwert bieten鈥.
Sie erg盲nzt: 鈥濪amit das gelingt, m眉ssen sie in Bezug auf die Bewegung von Menschen und die Anbindung an Verkehrsnetze effizient funktionieren. Sie d眉rfen keine isolierten Inseln sein. Ein Stadion sollte der Stadt und den umliegenden Kommunen dienen.鈥
F眉r deutsche St盲dte steht dies in engem Zusammenhang mit Zielen der Stadterneuerung und Stadtentwicklung. Gut integrierte Stadien k枚nnen Unternehmen vor Ort st盲rken, 枚ffentliche R盲ume beleben und die Verbindungen zwischen verschiedenen Stadtteilen verbessern.
Auch deutsche Vereine setzen sich seit Jahren mit diesen Fragestellungen auseinander,[4] wenn auch in einem st盲rker fragmentierten Geflecht unterschiedlicher Zust盲ndigkeiten. In M眉nchen beispielsweise wurde die Allianz Arena von Beginn an mit einer direkten U-Bahn-Anbindung sowie gro脽z眉gig dimensionierten Fu脽wegverbindungen vom U-Bahnhof Fr枚ttmaning geplant. Dar眉ber hinaus gelten Eintrittskarten gleichzeitig als Fahrscheine f眉r den 脰PNV, um die Anreise zu erleichtern und die Abh盲ngigkeit vom Individualverkehr zu reduzieren.
In Dortmund und Frankfurt haben Vereine und Verkehrsverb眉nde Saison- und Spieltageskarten mit regionalen 脰PNV-Angeboten verkn眉pft. Erg盲nzend wurden klimafreundliche Stra脽enbahnangebote, Fahrradstellpl盲tze sowie Park-and-Ride-Konzepte erweitert. Diese Mobilit盲tspakete dienen ausdr眉cklich dazu, den unterschiedlichen Bed眉rfnissen verschiedener Fangruppen gerecht zu werden und gleichzeitig Anreize f眉r eine Anreise ohne eigenes Auto zu setzen. Doch selbst diese h盲ufig als Vorbilder genannten Beispiele verdeutlichen, wie wichtig eine fr眉hzeitige Abstimmung zwischen Vereinen, Kommunen, Sicherheitsbeh枚rden und regionalen Verkehrsverb眉nden ist, um Engp盲sse und Konflikte in den 枚ffentlichen R盲umen unmittelbar au脽erhalb des Stadiongel盲ndes zu vermeiden.
Mobilit盲t als entscheidender Planungsfaktor
Die Erweiterung des Stadions An der Alten F枚rsterei in Berlin soll noch in diesem Sommer beginnen. Das Projekt zur Weiterentwicklung der Heimspielst盲tte des 1. FC Union Berlin verdeutlicht, wie Mobilit盲tsstrategien von einer unterst眉tzenden Ma脽nahme zu einem entscheidenden Planungsfaktor werden k枚nnen.
Die geplante Erweiterung war daran gekn眉pft, langj盲hrige Herausforderungen im Bereich Verkehr und Erschlie脽ung zu l枚sen. Die zust盲ndigen Beh枚rden machten die Genehmigung von einem tragf盲higen und integrierten Verkehrskonzept abh盲ngig. Daher wurde die Kapazit盲t zun盲chst auf rund 34.500 Zuschauerpl盲tze begrenzt 鈥 deutlich unter den angestrebten 40.500 鈥 bis diese Anforderungen nachweislich erf眉llt sind.[5] Entscheidend ist zudem, dass die gemeinsame Erkl盲rung des Berliner Senats und Union Berlins nicht nur die Zustimmung der Verkehrsbeh枚rden vorsieht, sondern auch die der f眉r Mobilit盲t, Klimaschutz und Umwelt zust盲ndigen Verwaltungsbereiche.
Dadurch werden Aspekte wie die Anbindung auf der 鈥瀕etzten Meile鈥, die Verlagerung auf nachhaltigere Verkehrsmittel und eine CO鈧-arme Erreichbarkeit zu zentralen Kriterien der Planung. Sie stehen damit gleichberechtigt neben architektonischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen.
Eine koordinierte, interdisziplin盲re Antwort
Die Umsetzung eines intelligenten Mobilit盲tskonzepts erfordert die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen. Verkehrsplanung, Crowd Dynamics, Gestaltung des 枚ffentlichen Raums, digitale Systeme und inklusive Planungskonzepte sind eng miteinander verkn眉pft. Entscheidungen in einem Bereich haben Auswirkungen auf das gesamte System.
Genau deshalb ist die fr眉hzeitige Einbindung aller relevanten Fachbereiche von entscheidender Bedeutung. Wird Mobilit盲t von Beginn an als integraler Bestandteil eines Projekts mitgedacht, k枚nnen grundlegende Entscheidungen zu Layout, Kapazit盲t und Betriebsabl盲ufen rechtzeitig beeinflusst und kostspielige Nachr眉stungen in sp盲teren Projektphasen vermieden werden.
Deutschlands Stadien stehen vor einer anspruchsvollen, aber klar definierten Chance. Viele Spielst盲tten stammen aus einer 盲hnlichen Bauperiode, sehen sich vergleichbaren Herausforderungen gegen眉ber und sind teilweise in starken st盲dtischen Kontexten eingebunden. Gleichzeitig muss jedes Projekt auf 枚rtliche Verwaltungsstrukturen, Fankultur und spezifische r盲umliche Rahmenbedingungen reagieren.
鈥濳ein Projekt gleicht dem anderen鈥, sagt Jing Lu. 鈥濲edes Vorhaben muss auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten werden. Bei der Modernisierung eines Stadions am Stadtrand ist es entscheidend, vorhandene Infrastrukturen bestm枚glich auszunutzen und attraktive Mobilit盲tsangebote f眉r die letzte Meile zu schaffen. In dichter bebauten urbanen Umgebungen liegt der Schwerpunkt dagegen darauf, Verkehrs- und Besucherstr枚me effizient 眉ber mehrere Zug盲nge zu verteilen, um die Auswirkungen auf das umliegende Verkehrsnetz zu minimieren.鈥
鈥濪ie Auswirkungen auf die Umgebung lassen sich durch eine koordinierte Steuerung von Fu脽g盲nger- und Verkehrsstr枚men sowie durch die F枚rderung aktiver Mobilit盲tsformen und eine st盲rkere Integration des 枚ffentlichen Verkehrs deutlich reduzieren. Entscheidend ist, einen multimodalen Wandel weg von einer autoorientierten Mobilit盲tskultur zu f枚rdern. Multimodale Mobilit盲tshubs sollten vollst盲ndig in Stadionprojekte integriert werden, um allen Nutzer*innen attraktive Mobilit盲tsangebote am Zielort bereitzustellen. Eine verbesserte Anreise tr盲gt ma脽geblich dazu bei, das Gesamterlebnis einer Spielst盲tte f眉r Besucher*innen aufzuwerten.鈥
Eine klare Richtung f眉r die n盲chste Generation deutscher Stadien
Der Erfolg deutscher Stadien wird nicht allein durch ihre Architektur bestimmt. Entscheidend ist vielmehr, wie effektiv jede Spielst盲tte die Bewegung von Menschen erm枚glicht 鈥 vom regionalen Verkehrsnetz bis zum Stadionvorplatz und wieder zur眉ck.
Wenn Mobilit盲tskonzepte funktionieren, bemerkt man sie beinahe nicht. Wege f眉hlen sich intuitiv an, die Umgebung wirkt angenehm und das Erlebnis wird von Vorfreude statt von Hindernissen gepr盲gt. Wenn sie hingegen versagt, bestimmt sie den gesamten Tag.
Intelligentes Design von Bewegungsstr枚men bietet die M枚glichkeit, unterschiedliche Anforderungen miteinander zu vereinen: Sicherheit und Nutzererlebnis, Spitzenbelastungen und Effizienz im Alltag, Stadionbetrieb und urbane Integration sowie Inklusion und Barrierefreiheit. Es schafft einen Rahmen, mit dem Deutschland seine Stadien nicht nur als Veranstaltungsorte modernisieren kann, sondern als vernetzte, inklusive und leistungsf盲hige Bestandteile der Stadt.
Die Chance liegt auf der Hand. Die Herausforderung besteht nun darin, Mobilit盲t nicht l盲nger als reine Frage der Compliance zu betrachten, sondern als Treiber gesellschaftlichen Mehrwerts f眉r die n盲chste Generation deutscher Stadien.
[1] https://ralphbu.wordpress.com/wp-content/uploads/2018/10/buehler-et-al-verkehrsverbund.pdf
[2] , UEFA (2024)
[3] An analysis of Tottenham Hotspur’s socio-economic contribution to the local area, EY, December 2023
[4] https://www.sportpositiveleagues.com/news-article/what-are-sustainable-ways-of-travelling-to-german-bundesliga-games/
[5] https://www.insideworldfootball.com/2025/10/13/union-berlin-stadium-expansion-greenlighted-capacity-capped-34500/



