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Urbane Transformation: Erkenntnisse aus den Pilotstädten von UP2030

Seit dem Jahr 2023 brachte ¹ú²ú̽»¨ seine fachliche Expertise in das Projekt UP2030 ein, das im Rahmen des Horizon‑Europe Programms der Europäischen Kommission kofinanziert wurde. Ziel des Projekts war es, einen praxisnahen Handlungsrahmen zu entwickeln, der ausgewählten Pilotstädten konkrete Orientierung bietet, um bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen.

Worum geht es bei UP2030?

UP2030 ist ein Programm zur Beschleunigung einer urbanen Transformation hin zu klimaneutralität bis 2030. Im Ende 2025 abgeschlossenen Vorhaben arbeitete ein Konsortium aus 47 Partnern zusammen – darunter auch ¹ú²ú̽»¨. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden zehn Pilotstädte mit wissenschaftlich fundierten Methoden, partizipativen Prozessen und Instrumenten der integrierten Stadtgestaltung unterstützt. Ziel war es, politische Klimaziele in konkrete, umsetzbare Massnahmen auf lokaler Ebene zu übersetzen.

Im Mittelpunkt stand der sogenannte 5UP-Ansatz:

  • UP dating – Aktualisierung von Richtilinien und Regelwerken
  • UP skilling – Stärkung städtischer Ökosysteme und Kompetenzen
  • UP grading – Entwicklung von Quartiersprototypen
  • UP scaling – Governance- und Finanzierungsmodelle für stadtweite Wirkung
  • UP taking – Wissensaustausch, Lernen und Replikation

Dieser Ansatz bietet Städten eine praxisorientierte Anleitung, um den Schritt von der Strategie zur Umsetzung erfolgreich zu vollziehen – mit besonderem Fokus auf räumliche Gerechtigkeit und inklusive Beteiligungsformate.

Innerhalb dieses Rahmens entwickelten kommunale Akteur:innen gemeinsam Klimaneutralitätsfahrpläne und erprobten Massnahmen auf Quartiersebene. verknüpft Klimaneutralität ausdrücklich mit urbaner Resilienz und sozialer Gerechtigkeit und stellt sicher, dass lokale Gemeinschaften durch Co‑Kreation und Verhaltensänderungen aktiv als Treiber des Wandels eingebunden werden.Zu den Pilotstädten zählen Münster und Rotterdam sowie Belfast, Budapest, Granollers, Lissabon, Mailand, Thessaloniki, Zagreb, Istanbul und Rio de Janeiro.

Climate Proofing: Ein neues Instrument für integrierte urbane Resilienz

Im Rahmen von UP2030 entwickelte ¹ú²ú̽»¨ das Climate Proofing Handbook – eine strukturierte Methodik und ein praxisnahes Werkzeug, das Klimaschutz, Klimaanpassung und Co‑Kreation frühzeitig in städtebauliche Prozesse integriert. Das Handbuch bietet eine Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung zur Entwicklung von klimaneutralen und klimaresilienten Quartieren.

Es wurde von einem interdisziplinären Team aus Klimaschutz- und Resilienzexpert:innen unseres Berliner Nachhaltigkeitsteams mitverfasst, das eng mit der Pilotstadt Münster zusammenarbeitete. Ziel war es, bestehende Instrumente und Datengrundlagen zu strukturieren und Transformationsleitlinien zu entwickeln, die eng an kommunale Planungs- und Entscheidungsprozesse anschliessen.

Auf Basis dieser Zusammenarbeit führten Jill Theobald, Felicitas Leithner, Sara Rossi und Peter Scheibstock ihre Erkenntnisse aus der gesamten Projektlaufzeit in einem umfassenden Dokument zusammen, das Stadtplaner:innen unter anderem Folgendes bietet:

  • Ein Fünf‑Stufen‑Modell: Identifikation, Bewertung, Entwicklung, Umsetzung sowie Monitoring und Dokumentation – jeweils ergänzt durch spezifische Checklisten zu Minderung, Anpassung und Beteiligung
  • Entscheidungs- und Governance‑Leitfäden: zur besseren Abstimmung zwischen Fachbereichen, zur Standardisierung des Datenaustauschs sowie zur Verankerung von Co‑Kreation als feste Planungspraxis
  • Evidenzbasierte Methoden: darunter CO₂‑Bilanzierungen, Klimarisiko‑Hotspot‑Analysen, Mikroklimasimulationen und Szenariotests zur fundierten Unterstützung räumlicher Entscheidungen
  • Skalierbarkeit: Übertragbarkeit von Quartierspilotprojekten auf stadtweite Programme mit Fokus auf Replikation und kontinuierliches Lernen

Zentrale Konzepte und Methodik

Die im Handbuch beschriebene Climate‑Proofing‑Methodik integriert Klimaschutz und Klimaanpassung von Beginn an und verknüpft die Handlungsfelder Energie, Mobilität, Gebäude und naturbasierte Lösungen mit Hitzeminderung, Regenwassermanagement bis hin zur Dürrevorsorge. Sie macht deutlich, dass Co‑Kreation ein entscheidender Erfolgsfaktor ist und über alle Projektphasen hinweg systematisch verankert werden muss, um lokal relevante und sozial gerechte Ergebnisse zu erzielen. Gleichzeitig unterstützt der Ansatz Städte dabei, Zielkonflikte zu navigieren, ohne positive Effekte für Gesundheit, Biodiversität und Lebensqualität aus dem Blick zu verlieren, und Pilotmassnahmen mithilfe kontinuierlichen Monitorings in eine langfristige Planungspraxis zu überführen.

Mehrwert und zentrale Erkenntnisse

Städte profitieren insbesondere von einer klaren Struktur zur Operationalisierung von Klimaneutralität und Resilienz; einer verbesserten fachbereichsübergreifenden Zusammenarbeit; höherer Aufenthaltsqualität durch grün‑blaue Infrastruktur und verbesserten thermischen Komfort; grösserer gesellschaftlicher Akzeptanz durch echte Beteiligungsprozesse und einem übertragbaren Modell, das an unterschiedliche regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen angepasst werden kann.

Blankenburger Süden, Berlin

Das Konzept des Climate Proofing entstand erstmals im Rahmen unserer Arbeit am Blankenburger Süden in Berlin – einem der bedeutendsten Stadtentwicklungsgebiete der Hauptstadt. Hier entsteht ein nachhaltiges neues Quartier mit rund 6.000 Wohnungen sowie Schulen, Einzelhandel und grosszügigen Grünflächen.

Von Beginn an verfolgte das Projekt den doppelten Anspruch, Klimaneutralität und Resilienz gleichermassen zu erreichen. ¹ú²ú̽»¨ setzte eine frühe Version des Climate Proofing ein – den sogenannten Climate Check – um Planungsszenarien zu bewerten, mikroklimatische Effekte zu modellieren und betriebliche, graue sowie mobilitätsbedingte Emissionen ganzheitlich zu betrachten.
Die Arbeit mündete in räumliche Empfehlungen zu erneuerbaren Energien, Holzbau, grün‑blauer Infrastruktur, Massnahmen zur Reduktion von Hitzeinseln und einem integrierten Regenwassermanagement. Szenarioanalysen zeigten, dass ein ambitionierter „Pionierpfad“ eine klimapositivierende Gesamtbilanz ermöglichen kann. Die Ergebnisse fliessen aktuell in die Masterplanung sowie in den kontinuierlichen Dialog mit dem Berliner Senat ein.

Ein Rendering des Blankenburger Süden Stadtbauprojekts
Das Arial Blankenburger Süden von oben. Bild: bgmr-Landschaftsarchitekten.

UP2030 zeigt, wie ein gestaltungsorientierter, ko‑kreativer Ansatz Klimaziele in konkrete Massnahmen übersetzen kann. Die im Rahmen des Programms entwickelte und erprobte Climate‑Proofing‑Methodik bietet Städten ein tragfähiges Entscheidungsfundament – um Politiken, Daten, räumliche Planung und Beteiligung so miteinander zu verzahnen, dass klimaneutrale und klimaresiliente Quartiere zur Regel und nicht zur Ausnahme werden.